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Sozioökonomische Auswirkungen

Das Projekt sozioökonomische Auswirkungen vereint mehrere miteinander verwobene Einzeluntersuchungen zum Themenkomplex der sozioökonomischen Vulnerabilität der Stadt Istanbul:

  • Integrierte makro- und mikroökonomische Modellierung und Schätzung des finanziellen Risikos durch indirekte Schäden für die Stadtökonomie, unter Berücksichtigung regionaler Atauschprozesse (Mechler, Borst)

  • Erfassung der Wahrnehmung und Bewertung von Risiken durch die Bevölkerung (Taylan) und in Gewerbetrieben (Menny, Inelmen)

  • Überprüfung der Effektivität der Erdbebenpflichtversicherung für Wohngebäude (TCIP) und Würdigung alternativer makroökonomisch einsetzbarer Finanzierungsformen (Mechler)

  • Entwicklung von Microfinance-, insb. Mikroversicherungsinstrumenten zur Reduzierung und Finanzierung der wirtschaftlichen Schäden (Menny)

Projektbeschreibung

 

Direkte Schäden eines großen Erdbebens breiten sich im Raum und in der Zeit aus: Das öffentliche und private Leben wird unterbrochen, da der Zugang zu Ressourcen (wie z.B. Strom, Finanzdienstleistungen, Mitarbeiter) durch den Verlust von Menschen und Werten wie Gebäuden und Maschinen erschwert wird. Insbesondere kommt es zu Einschränkungen im wirtschaftlichen Wertschöpfungsprozess. Die Höhe der indirekten Schäden ist abhängig von der Beeinträchtigung kritischer Infrastrukturen und dem Vernetzungsgrad der Megastadt (intern und mit dem Umfeld).

Die Abschätzung und Reduzierung der sozioökonomischen Vulnerabilität gelingt daher nur unter Berücksichtigung der komplexen Zusammenhänge der verschiedenen sozioökonomischen Faktoren, welche in einer Megastadt zusammenwirken und sich über die Zeit verändern. Die soziökonomische Vulnerablilität der Ökonomie ist dabei neben der objektiven Gefährdung gleichermaßen abhängig von rein ökonomischen Aspekten der Wertschöpfungsprozesse wie auch von kulturspezifischen und psychologischen Momenten wie dem individuellen und kollektiven Umgang mit Risiken.


Als Grundlage zum Verständnis des Umgangs mit dem Erdbebenrisiko und zur Bemessung der Akzeptanz möglicher Maßnamen zu dessen Reduzierung werden Untersuchungen durchgeführt zur individuellen und kollektiven Risikowahrnehmung und –bewertung bei der Bevölkerung sowie in Betrieben. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie das Risikobewusstsein im Hinblick auf geeignete Maßnahmen zur Risikoreduzierung und deren Akzeptanz gefördert werden kann, z.B. durch die Nutzung vorhandener Strukturen wie lokaler nachbarschaftlicher und gesellschaftlicher Gruppen. (Taylan, Inelmen, Menny)

Im Hinblick auf die Priorisierung von Maßnahmen nach Aspekten von Kosten- und Nutzen ist eine Bestimmung der zu erwartenden ökonomischen Schäden unerlässlich. Standen in der Vergangenheit zumeist die direkten Schäden im Vordergrund, so hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die indirekten Schäden bei einer entsprechend starken Katastrophe, wie sie für Istanbul zu erwarten ist, jene deutlich übersteigen können. Insbesondere für Istanbul wurde bislang noch keine systematische Untersuchung der indirekten ökonomischen Schäden durchgeführt, was innerhalb dieses Projekts in Kombination von top-down Methoden aus der Makroökonomie und eines mikroökonomischen bottom-up Ansatzes geschieht. (Mechler, Borst)

Zur Abmilderung des Erdbebenrisikos werden in Istanbul eine ganze Reihe praktischer Maßnahmen durchgeführt. Aus wirtschaftlicher Sicht sind für deren Erfolg zwei Grundvoraussetzungen von entscheidender Bedeutung: zum einen bestehen diese in der Effektivität der Lösungen hinsichtlich der Sicherstellung der Wirksamkeit und der Akzeptanz durch die Betroffen mittels eines geeignetes Designs. Zum anderen muss eine ausreichende Finanzierung und Allokation von Finanzmitteln erzielt werden. Beide Aspekte werden in den nachfolgend erläuterten Untersuchungen zu einzelnen Risikoabmilderungsmaßnahmen aufgegriffen:

Hinsichtlich der makroökonomischen Bewältigung von Erdbebenschäden steht die Erdbebenpflichtversicherung für Wohngebäude (Turkish Catastrophe Insurance Pool TCIP) auf dem Prüfstand. Alternativ dazu werden weitere makroökonomische Finanzierungsinstrumente der Kapitalmärkte wie Cat Bonds untersucht. (Mechler)

Auf mikroökonomischer Ebene werden zur Bewältigung der Schäden einzelner Wirtschaftssubjekte Microfinance-Instrumente aus dem Spezialbereich Microinsurance entwickelt, welche in der Vergangenheit noch kaum für Katastrophenschäden eingesetzt wurden. (Menny)

Ferner ist geplant, ein index-basiertes Claims-Management-System für Erdbebenversicherungen zu entwickeln mithilfe objektiv überprüfbarer Parameter, die mit hoher Treffsicherheit die Schäden an Gebäuden abschätzen lassen, so dass eine subjektive Überprüfung jedes einzelnen gemeldeten Schadens vor Ort entfällt. Dadurch reduziert sich die für die Höhe der indirekten ökonomischen Schäden entscheidende Zeitspanne zwischen Erdbeben und der Auszahlung der Entschädigungen durch die Versicherung bedeutend, so dass Wiederaufbau und Erholung der Stadtökonomie schneller voranschreiten können.

Ansprechpartner
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Prof. Dr. +49 721 608-46614 ute wernerBwf7∂kit edu

Publikationen

Links

Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) Program on Risk and Vulnerability (RAV), Laxenburg, Austria
http://www.iiasa.ac.at/Research/RAV/index.html

Center for Disaster Management (CENDIM), Bosphorus University, Istanbul
http://www.cendim.boun.edu.tr/index.html

Kandilli Observatory and Earthquake Research Institute (KOERI), Bosphorus University, Istanbul
http://www.koeri.boun.edu.tr/sismo/map/en/index.html

Society for Risk Analysis (SRA)
http://www.sra.org/

Disaster Prevention Research Institute (DPRI), Kyoto University, Japan
http://www.dpri.kyoto-u.ac.jp/

European Geosciences Union (EGU)
http://www.copernicus.org/EGU/EGU.html