Im Rahmen des CEDIM-Teilprojektes „Hochwasserrisiko“ werden Methoden zur Abschätzung und Kartierung von Hochwasserrisiken, insbesondere von Extremereignissen, weiterentwickelt und als GIS-basierte Informations- und Modellsysteme implementiert. So wurden bereits das Regionalisierungsmodell für Hochwasserabfluss-Kennwerte in Baden-Württemberg und das Hochwassersimulationsmodell Neckar für die Anwendung im Bereich von Jährlichkeiten größer 100 Jahre erweitert und abgesichert. Für die Hochwasserschadensabschätzung liegt ein deutschlandweit anwendbares multifaktorielles regelbasiertes Modell für Privathaushalte und Unternehmen vor.
Seit 1998 haben die katastrophalen Hochwasserereignisse in Europa ca. 700 Todesopfer gefordert, eine halbe Million Menschen vertrieben und mindesten 25 Mrd. Euro an versicherten Schäden verursacht. Diese Schadenbilanz zeigt in besonderer Deutlichkeit, wie anfällig unsere Gesellschaft gegenüber extremen Naturereignissen geworden ist. Dabei ist die Frage nach dem Auftreten eines Ereignisses eng verknüpft mit der Frage nach dem Risiko, d.h. nach den mit dem Naturereignis verbundenen Konsequenzen für die betroffene Umgebung. Mit zunehmender Bevölkerung und Industrialisierung haben sich die Bebauungs- und Nutzungsaktivitäten in vielen überflutungsgefährdeten Gebieten verstärkt. Hinter Deichen und Hochwasserschutzmauern werden immer mehr Werte angehäuft, die bei Extremhochwasser das Schadenpotenzial erheblich erhöhen. Dieser Entwicklung entgegen zu wirken ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Zur Aufgabe der Forschung zählt dabei, Grundlagen für das Verständnis der Zusammenhänge und Werkzeuge für die Risikoabschätzung in der Praxis zu schaffen. An diesem Punkt setzen die Untersuchungen zum Hochwasserrisiko im CEDIM an.
Im Rahmen von CEDIM werden verbesserte Methoden zur Hochwassergefahren- und Vulnerabilitätsabschätzung sowie der Hochwasserrisikokartierung entwickelt. Die Methodenentwicklung und ihre Implementierung in operationelle Werkzeuge werden in ausgewählten Testgebieten durchgeführt. In der Hydrologie und Hydraulik wurden bereits die Methoden zur Gefährdungsabschätzung, insbesondere für Extremereignisse deutlich verbessert. So wurden das Regionalisierungsmodell für Hochwasserabfluss-Kennwerte in Baden-Württemberg und das Hochwassersimulationsmodell Neckar für die Anwendung im Bereich von Jährlichkeiten größer 100 Jahre erweitert und abgesichert. Für die mikroskalige, d.h. gebäudespezifische, Schadensabschätzung wurde auf Basis des Hochwassersimulationsmodells für den Neckar eine Modellkomponente zur Schadensabschätzung entwickelt, so dass ein praktisches, GIS-basiertes Tool zur Hochwasserschadenanalyse bereitgestellt werden konnte. Da Voruntersuchungen gezeigt hatten, dass die Variabilität in den Schadensdaten und somit die Unsicherheit bei der Schadensabschätzung um so geringer wird, je mehr Einflussfaktoren berücksichtigt werden, wurde für die mesoskalige Schadensabschätzung (auf Basis von Landnutzungseinheiten) das multifaktorielle regelbasierte Schadensmodell FLEMO entwickelt, das deutschlandweit einsetzbar ist.
Dieses Schadensmodell soll in den aktuellen Arbeiten zur „Synopse der Naturgefahren in Sachsen“ auf die offiziellen Hochwassergefahrenkarten des Bundeslandes Sachsen angewendet werden. Ziel ist es, das Hochwasserrisiko für verschiedene Jährlichkeiten flächendeckend auf Gemeindeebene zu quantifizieren und mit den Risiken durch Sturm und Erdbeben zu vergleichen.
Da die Abschätzung von Extremereignissen in der Hochwasserrisikoforschung von besonderem Interesse ist, sollen zudem statistische Ansätze zur Abschätzung von oberen Grenzen des Abflusses (upper bounds) erprobt werden. Unter Verwendung von traditionellen und neuen prozess-orientierten Regionalisierungsmethoden soll die Hochwassergefährdung für das gesamte Bundesland konsistent ermittelt werden. Zusammen mit den offiziellen Gefahrenkarten und dem neuen Schadensmodell soll so das Hochwasserrisiko für alle sächsischen Gemeinden abgeschätzt werden.
Sektion Ingenieurhydrologie, GFZ Potsdam
http://www.gfz-potsdam.de/pb5/pb54/index.html
Institut für Wasserwirtschaft und Kulturtechnik, Universität Karlsruhe
http://www.iwg.uni-karlsruhe.de/
BMBF-Förderaktivität "Risikomanagement extremer Hochwasserereignisse" - RIMAX
http://www.rimax-hochwasser.de/
Helmholtz-EOS Vernetzungsplattform Naturkatastrophen - NaDiNe
http://nadine.helmholtz-eos.de/